Green Days
Gesundheit bewahren, den Planeten respektieren
Hintergrund
Um die globale Erderwärmung bis 2050 im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf die im Pariser Abkommen (2015) festgelegten 1,5 °C zu begrenzen, müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen (THG) drastisch um mindestens 20 Gigatonnen (Gt) pro Jahr reduziert werden. Nach dem Energiesektor ist die Landwirtschaft die zweitgrößte Ursache für THG-Emissionen in Europa. Die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Fleisch, Milchprodukte, Eier) ist für 14,5 % der THG-Emissionen verantwortlich, für 80–90 % des Verbrauchs von Süßwasser, für 38 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche und für den Rückgang der Biodiversität – mit gravierenden Folgen für die Umwelt.
Eine rein pflanzliche Ernährung verursacht weniger als die Hälfte der Emissionen im Vergleich zu einer Ernährung mit Fleisch und Milchprodukten und zählt zu den sieben wirksamsten individuellen Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen. Obwohl die Tierhaltung 77 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen beansprucht, liefert sie nur 18 % der globalen Kalorienzufuhr und 37 % des Proteins (FAO, 2019). Zudem erhöht ein hoher Konsum tierischer Produkte das Risiko für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und bestimmte Krebsarten.
Laut der LANCET-EAT-Kommission ist es notwendig, zur Begrenzung der Erderwärmung, zur adäquaten Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und zur Vorbeugung chronischer Krankheiten den Verzehr von rotem Fleisch um mindestens 50 % (bzw. 90 % in den USA und der EU) und den von Milch um mindestens 60 % zu reduzieren. Gleichzeitig soll der Konsum von Hülsenfrüchten bis 2050 verfünffacht werden.
Wie das Projekt „Green Days“ entstand
Vor diesem Hintergrund hat eine Arbeitsgruppe des Südtiroler Sanitätsbetriebes die Initiative „Green Days“ ins Leben gerufen (inspiriert von ähnlichen Initiativen wie dem „Meatless Monday“ der John Hopkins University, dem „Veggiedag“ in Gent, Belgien, oder den „Lunes sin carne“ im argentinischen Präsidentenpalast). Ziel war es, einmal pro Woche in den Krankenhausmensen der Provinz Bozen rein pflanzliche Mahlzeiten anzubieten und so konkret und wirksam zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beizutragen – im Einklang mit dem UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 13 („Maßnahmen zum Klimaschutz“).
Die Gerichte wurden ausschließlich mit bereits im Krankenhaus verwendeten Rohstoffen zubereitet, ohne Mehrkosten zu verursachen. Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung der Nutzerinnen und Nutzer für das Thema Nachhaltigkeit.
Die Initiative startete als Pilotprojekt im Krankenhaus Bozen. Die ernährungsphysiologisch ausgewogenen Gerichte wurden von den Küchenchefs des Krankenhauses Bozen kreiert und getestet. Alle Mitarbeitenden wurden zwei Wochen vor Beginn des Projekts per Rundschreiben informiert. Zusätzlich wurden Tablettunterlagen mit Informationen und Infografiken über die Auswirkungen der Ernährung auf die Umwelt gedruckt und in der Kantine ein Bildschirm installiert, der Informationen zum Projekt und zum Tagesmenü anzeigt.
Der erste „Green Day“ (ursprünglich „Green Monday“, da zunächst immer montags) fand am 11.10.2021 statt und wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der lokalen Presse vorgestellt.
Nach drei Monaten wurde eine Nutzer*innenbefragung zur Zufriedenheit durchgeführt sowie Berechnungen zur Einsparung tierischer Produkte, zu deren Äquivalent in Treibhausgasemissionen und zur Wasserbilanz vorgenommen.
„Green Days“: Ergebnisse
Vergleicht man den Verbrauch an Lebensmitteln an den „Green Days“ mit jenem der Tage vor Projektbeginn, zeigt sich eine durchschnittliche monatliche Reduktion von:
- 240 kg Rindfleisch (170 kg Rind, 70 kg Kalb)
- 220 kg Milch
- 40 kg Käse
- 18 kg Fisch
- 400 Eiern
Die THG-Einsparung dieser Lebensmittel (berechnet mit den Tabellen von Ferrari M., 2020) ergibt eine durchschnittliche monatliche Reduktion von 4.480 kg CO₂-Äquivalenten. Das entspricht den Emissionen von drei interkontinentalen Flügen von Mailand nach New York (je 6.464 km).
Die durchschnittliche Wassereinsparung (laut Tabellen von Mekonnen MM, 2010) beträgt 1.490.000 Liter pro Monat – das entspricht dem Wasserverbrauch von 124.150 Duschen (je 12 Liter).
Die Reduktion der CO₂eq-Emissionen ist zu 83,3 % auf den Verzicht auf Rindfleisch und zu 14,2 % auf den Verzicht auf Milchprodukte zurückzuführen. Die Wassereinsparung ist zu 89,0 % bzw. 8,5 % auf den Wegfall von Rindfleisch bzw. Milchprodukten zurückzuführen.
Die Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer der Krankenhauskantine an Montagen hat sich im Vergleich zum Vorjahr (2020) nicht signifikant verändert.
Das Projekt befindet sich in stetiger Weiterentwicklung. Die Köche experimentieren laufend mit neuen Rezepten, um die Vielfalt der angebotenen Gerichte zu erhöhen – auch basierend auf dem erhaltenen Feedback der Nutzerinnen und Nutzer.
Auf Grundlage der ermutigenden Ergebnisse dieses Pilotprojekts ist geplant, die Initiative auf weitere Krankenhäuser im Land auszuweiten – mit dem Ziel, noch stärker zum Umweltschutz beizutragen.
Materialien und Hintergrundinformationen
- Artikel zu den „Green Mondays“ auf corriere.it: Pasti vegan alla mensa dell’ospedale (tutti i lunedì): la svolta «verde» a Bolzano- Corriere.it
- Società Scientifica di Nutrizione Vegetariana Nutrizione Vegetariana: informazioni sulla sana alimentazione - SSNV
- Planetary Health Diet der Eat-Lancet-Kommission: Planetary Health Diet | Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)
Kontakte
Diätetik und klinische Ernährung
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