Regionalanästhesie
Unter Regionalanästhesie versteht man die Ausschaltung von Schmerzen in einer bestimmten Körperregion.
Spinalanästhesie
Eingriffe im Unterbauch, Becken und in den Beinen können schmerzfrei durch Betäubung der vom Operationsgebiet zum Rückenmark führenden Nerven (Spinalnerven) durchgeführt werden (Spinalanästhesie). Die Spinalanästhesie wird im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt. Ein Betäubungsmittel wird auf Höhe der Lendenwirbelsäule mittels einer feinen Nadel in die Umgebung der Nervenwurzeln gespritzt. Da in diesem Bereich kein Rückenmark mehr vorhanden ist, ist die Irritation einzelner Nerven zwar möglich, das Rückenmark kann jedoch nicht verletzt werden. Sobald das Betäubungsmittel verabreicht ist, verspüren Sie ein Wärme- und Taubheitsgefühl in den Beinen und können diese bald nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen. Abhängig vom verwendeten Medikament hält dieser Zustand ca. 2 - 4 Stunden an. Sollte die Wirkung einer Spinalanästhesie zur Operation nicht ausreichen, so ist ein Wechsel zur Allgemeinanästhesie jederzeit möglich.
Periduralanästhesie
Anstelle der einmaligen Gabe eines örtlichen Betäubungsmittels (siehe Spinalanästhesie) besteht auch die Möglichkeit, einen ca. einen Millimeter dicken Kunststoffschlauch (Periduralkatheter) in der Nähe des Rückenmarks zu platzieren, um die vom Operationsgebiet zum Rückenmark führenden Nerven durch wiederholte Medikamentengabe zu betäuben. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn es sich längere Operationen handelt.
Über den Periduralkatheter verabreichte Medikamente wirken nach etwa 15 Minuten. Der betäubte Bereich wird warm und gefühllos, die Beine lassen sich möglicherweise mehrere Stunden lang nicht oder nur eingeschränkt bewegen. Der Katheter kann auch nach der Operation für die Schmerzbehandlung auf der Station verwendet werden. Für einige zumeist größere Operationen kann die Kombination von Peridural- und Allgemeinanästhesie sinnvoll sein. Die dann flachere Allgemeinanästhesie dient dabei der besseren Kontrolle von Atmung und Kreislauf, die Periduralanästhesie bewirkt die Schmerzausschaltung. Mit der Kombination von Peridural- und Allgemeinanästhesie sind Sie nach der Operation schneller wach und verspüren weniger Schmerzen als nach alleiniger Allgemeinanästhesie.
Periduralanästhesie in der Geburtshilfe
Auch in der Geburtshilfe ist die rückenmarksnahe Schmerztherapie ein eingeführtes Verfahren vor allem bei Verlangsamung des Geburtsvorganges bis hin zum Geburtsstillstand. Im unteren Bereich der Wirbelsäule wird in einer örtlichen Betäubung mit einer dünnen Nadel ein weniger als ein Millimeter dünnes Kunststoffschläuchlein in den Rücken der Patientin gelegt. Durch die Injektion von Lokalanästhesie (Medikamente zur örtlichen Betäubung) wird erreicht, dass die Schmerzen während der Geburt gelindert werden. Da die Medikamente nur in geringen Konzentrationen verabreicht werden, bleibt das Kind unbeeinflusst. Die schmerzlindernde Wirkung beginnt etwa 10 - 20 Minuten nach Injektion des Medikaments. Der Beginn der Wirkung ist nicht plötzlich, sondern langsam zunehmend. Durch die Mithilfe der schmerzbefreiten Patientin kommt es sehr häufig dann zu einer schnelleren problemlosen Entbindung.
Plexusanästhesie
Bei einer Plexusanästhesie wird ein Nervengeflecht (Plexus) betäubt. Wir verwenden vorwiegend die axilläre Plexusanästhesie des Armes für Operationen an der Hand oder am Arm. Das örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) wird mittels einer speziellen Injektionsnadel in der Achselhöhle in die Nähe der schmerzleitenden Nervenstämme gespritzt. Dadurch wird das Armnervengeflecht (Armplexus), welches die Schulter und den Arm versorgt, betäubt.
Zum sicheren Aufsuchen der Nervenstämme verwenden wir einen elektronischen Nervenstimulator. Dieser wird mit der Injektionsnadel verbunden und sendet schwache elektronische Impulse aus. Durch Kribbeln in den zu betäubenden Nerven und schmerzfreie unwillkürliche Muskelzuckungen erkennt man die richtige Lage der Injektionsnadel. Sollte die Wirkung der Plexusanästhesie nicht ausreichen, um den Eingriff schmerzfrei durchführen zu können, oder sollten andere Komplikationen auftreten, kann ein Übergang zur Allgemeinanästhesie erforderlich werden.