"Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen"
Dieses Zitat wird Martin Luther King zugeschrieben und es trifft die Botschaft des Projektes „Equity“, zu Deutsch „Chancengleichheit“, des Präventionsplans 2021–2025 wohl perfekt. Wenn nicht alle Menschen den gleichen Zugang zu gezielten Gesundheitsleistungen haben, dann müssen diese überdacht werden. Das sagen die Fachleute dazu.
Tierärztin Piera Ceschi ist von der Departementverantwortlichen Dagmar Regele für das Projekt „Equity“ delegiert worden. Ceschi kennt die Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen gut: „Dadurch, dass wir versuchen, eine Chancengleichheit zu ermöglichen, schaffen wir eine Chance für Risikopersonen durch gezielte Initiativen, einen besseren Gesundheitszustand zu erlangen. Bei diesem Projekt geht es um eine Präventionsstrategie, die auf die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen abzielt, nicht auf deren Erkrankungen. Dabei spielen der Lebensstil und der Kontext, in dem die Menschen geboren werden, aufwachsen, leben, arbeiten und alt werden, eine wichtige Rolle.“
Dafür werden aufgrund der epidemiologischen Daten unterschiedliche Aktionen gesetzt, derzeit elf verschiedene Initiativen. Diese betreffen unter anderem die Schule, die Arbeitswelt, Abhängigkeiten, Antibiotika-Resistenzen, aber auch das aktive Altern und Screenings.
Projektmitglied Francesca Lubian, Primarin der Geriatrie am Krankenhaus Bozen, erklärt die Rolle des Geriaters in diesem Zusammenhang: „Zusammen mit Sportmediziner Stefan Resnyak bin ich seit 2020 für das Projekt zuständig. Dabei geht es vor allem um die Vorbeugung der Risikofaktoren für die fragile Bevölkerung über 65 im ganzen Land. Es wurden jene Bereiche aufgezeigt, welche hierfür besonders anfällig sind. Im Fokus waren dabei zwei Bereiche: die soziale Isolation und physische Inaktivität, dementsprechend benötigte es eine eigene Präventionsstrategie.“
Aus den jüngsten Erhebungen von ‚Passi d’Argento‘, in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbeobachtung Südtirol, geht hervor, dass in den städtischen Bereichen ein höheres Risiko für Personen mit einem fragilen Gesundheitszustand herrscht. Eine interessante Beobachtung ist auch, dass Paare sozial meist isolierter sind als Alleinstehende.
„Aus den Beobachtungen heraus entstand die Idee, vor allem in den Städten Menschen mit einem prä-fragilen Zustand durch die Zusammenarbeit mit Vereinen, Gemeinden und Ressorts einzubinden. Man versucht vorrangig, Paare, die zur Isolation neigen, mit einzubeziehen“, so Lubian. „Immer öfter ist die Figur des Geriaters aber auch gefragt, um auch jüngeren Menschen Tipps zu einem gesunden Lebensstil oder zu Risikofaktoren im Alter zu geben, zudem ist dieser auch Vermittler zwischen den einzelnen Gesundheitsberufen. Die Mission des Geriaters ist es, die persönliche und soziale Autonomie so lange wie möglich zu erhalten, damit auch im Alter eine gute Lebensqualität vorhanden ist. Das ist das sogenannte Konzept des ‚successful aging‘, sprich, des guten Alterns – aktiv und in Gesundheit.“
Sabine Flarer
