Stress lass nach
Fast 2.800 Mitarbeitende des Südtiroler Sanitätsbetriebes haben an der neuen Erhebung zum arbeitsbedingten Stress teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine positive Situation – mit einigen offenen Punkten.
Arbeitsbedingter Stress tritt auf, wenn die Anforderungen des Arbeitsumfeldes die Fähigkeiten und Ressourcen der Mitarbeitenden übersteigen. Er entsteht dann, wenn Menschen ein Ungleichgewicht zwischen den an sie gerichteten Erwartungen und den verfügbaren Mitteln zur Erfüllung dieser Erwartungen wahrnehmen.
Zu den Hauptfaktoren, die diesen Zustand verursachen können, gehören: übermäßige Arbeitsbelastung, geringe Autonomie, zwischenmenschliche Konflikte, Unklarheit über die eigene Rolle und belastende Arbeitszeiten. Länger anhaltender Stress wirkt sich sowohl auf das psychophysische Wohlbefinden des Personals als auch auf die Qualität der beruflichen Leistungen negativ aus.
Aus diesem Grund verpflichtet die geltende Gesetzgebung (Legislativdekret 81/2008) die Unternehmen zur Bewertung und zum Management des Risikos arbeitsbedingten Stresses, indem Strategien der Prävention, Unterstützung und Förderung des organisatorischen Wohlbefindens eingeführt werden. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat eine neue Untersuchung zum arbeitsbedingten Stress gestartet und das Personal über einen Online-Fragebogen miteinbezogen.
Die Erhebung berücksichtigte zwei Hauptbereiche:
- Arbeitsinhalte: Arbeitsumgebung und -mittel, Arbeitsaufgaben, Arbeitsbelastung und -rhythmus, Arbeitszeit.
- Arbeitskontext: Organisation, zwischenmenschliche Beziehungen, Rolle, Entwicklung und Karriere, Entscheidungsspielräume, soziale Unternehmensverantwortung.
Teilnahme
- Gesamtzahl der Eingeladenen: 6.416
- Teilnehmende: 2.797 (44 Prozent Rücklaufquote)
- Verteilung: 60 Prozent Verwaltungspersonal, 47 Prozent Pflegepersonal, 34 Prozent Gesundheitspersonal.
Gesamtergebnisse
Das synthetische Risikoniveau, berechnet auf Basis der durchschnittlichen Antworten, lag bei 34 Punkten, was einem mittleren bis niedrigen Niveau (26–50 Prozent) entspricht. Dies bedeutet, dass die Situation insgesamt zufriedenstellend ist und keine besonders relevanten Risikobedingungen festgestellt wurden. Allerdings wurden sowohl Stärken als auch verbesserungswürdige Aspekte deutlich.
Stärken
Die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am meisten geschätzten Bereiche betreffen:
- Arbeitsaufgaben: Klarheit der Tätigkeiten und der einzuhaltenden Verfahren.
- Autonomie: Fähigkeit, Probleme eigenständig zu bewältigen und zu lösen.
- Rolle: Kenntnis der eigenen Verantwortlichkeiten und jener der Kolleginnen und Kollegen.
- Zwischenmenschliche Beziehungen: Qualität der Teamarbeit und Abwesenheit von Diskriminierung.
- Organisation: Klarheit der Abteilungs- beziehungsweise Dienstziele.
- Karriere und Entwicklung: Wahrnehmung von Unternehmensstabilität und Arbeitsplatzsicherheit.
Kritische Aspekte
Unter den weniger geschätzten Elementen wurden hervorgehoben:
- Personalbestand: Wahrnehmung von unzureichendem Personal.
- Zeit: Schwierigkeiten, über ausreichend Zeit für die Erledigung der Aufgaben zu verfügen.
- Emotionale Entlastung: eingeschränkte Möglichkeiten, mit Stress aus heiklen Situationen umzugehen.
- Überstunden: häufige Notwendigkeit, über die vorgesehene Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.
- Schichtarbeit: Probleme im Zusammenhang mit Schichtdiensten und nächtlicher Rufbereitschaft.
- Vergütung: Wahrnehmung einer nicht angemessenen Bezahlung im Verhältnis zur ausgeübten Tätigkeit.
- Anerkennung der Leistung: mangelnde Klarheit bei den Kriterien für Belohnungssysteme.
- Betriebliche Sozialleistungen: begrenztes Angebot an Unterstützungsdiensten für das Privatleben.
Verbesserungsmaßnahmen
Auf Grundlage der Ergebnisse hat der Sanitätsbetrieb zehn Verbesserungsmaßnahmen ausfindig gemacht, darunter die drei folgenden Prioritäten:
1. Management der Wartezeiten Optimierung der Wartelisten, um sowohl den Service für die Nutzer als auch die interne Planung zu verbessern.
2. Vernetzung der sieben Betriebskrankenhäuser und Einrichtung von Referenzzentren Verbesserung der Steuerung der Abläufe zwischen Krankenhaus- und ambulanter Versorgung vor Ort durch eine ausgewogenere Verteilung der Arbeitslast.
3. Konsolidierung des Smart Working Förderung einer flexibleren Organisation, die Beruf und Privatleben besser in Einklang bringt.
Schlussfolgerungen
Die Erhebung 2024–2025 hat eine insgesamt positive Situation bestätigt, mit einem mittleren bis niedrigen Risiko arbeitsbedingten Stresses. Dennoch gibt es Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit erfordern und gezielte Maßnahmen notwendig machen, insbesondere im Hinblick auf Zeitmanagement, ausgewogene Arbeitsbelastung und das allgemeine Wohlbefinden des Personals. Die nächste Erhebung zum arbeitsbedingten Stress ist für 2026 geplant, mit dem Ziel, die erzielten Fortschritte zu überwachen und den eingeschlagenen Verbesserungsprozess weiter zu festigen.
Marco Lazzeri, Amt für Arbeitssicherheit und - schutz