In Erinnerung an Marie Manthey, 17. Juli 1935 - 12. Dezember 2024

30.10.2025, 10:00

Am 12. Dezember 2024 ist Marie Manthey verstorben. Mit ihr verliert die Welt eine herausragende Persönlichkeit, die wie kaum eine andere die Pflege und das Gesundheitswesen revolutioniert und geprägt hat. Sie hinterlässt ein Vermächtnis, das in den Herzen und in der Arbeit unzähliger Pflegefachkräfte auf der ganzen Welt weiterleben wird.

(Foto: Prof. Dr. Renate Tewes)
(Foto: Prof. Dr. Renate Tewes)

Marie Manthey begann ihre Karriere zu einer Zeit, in der die Krankenversorgung von starren Hierarchien, wenig Autonomie und einem Mangel an individueller Patientenbetreuung geprägt war. Marie wollte diese Strukturen grundlegend verändern und die Position der nichtärztlichen Berufe stärken. Als erste Krankenschwester der Vereinigten Staaten machte sie sich mit einem Pflegeberatungsbüro selbstständig. Sie arbeitete mit Führungskräften der Pflege und entwickelte unzählige Konzepte, um die Patientenversorgung zur verbessern. 

Ihre bedeutendste Leistung war wohl die Entwicklung und Verbreitung des Primary-Nursing-Modells, eines innovativen Konzepts, das die Pflege revolutionierte. Primary Nursing stellt die Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient und Patientin in den Mittelpunkt und überträgt einer Pflegekraft die primäre Verantwortung für die Person.

Dieses Modell schaffte es, nicht nur die Qualität der Pflege zu verbessern, sondern auch die Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte zu steigern. „Alles, was ich tat, war dem Team zu erlauben, andere Arbeitsformen auszuprobieren“ sollte Marie Manthey später sagen. Doch diese Erlaubnis war alles andere als leicht.

Marie Manthey war nicht nur eine visionäre Denkerin, sondern auch eine unermüdliche Praktikerin, die mit Mitgefühl und Respekt Patienten und Patientinnen betreute und Pflegekräfte unterrichtete und führte. Zudem setzte sich Marie zeitlebens für soziale Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen in der Arbeitswelt ein.

Marie Manthey erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden sowie Preise für ihre Verdienste im Gesundheitswesen. Unter anderem wurde sie in die American Academy of Nursing aufgenommen.

Auch im Südtiroler Sanitätsbetrieb wirkt Marie Mantheys Geist mit dem Changemanagement Konzept Relationship-Based-Care (RBC) weiter. Daraufhin begannen (unter anderem) die LEO-Trainings, die sich mittlerweile zu LEAH weiterentwickelt haben. Im Sinne von Marie Manthey wird in den Trainings ein neues Gefühl der Selbstwirksamkeit, eine gemeinsame Sprache und ein Instrumentenkoffer an Methoden für gelingende Beziehungen, Veränderungen und Wachstum vermittelt.

Wir Leo-/Leah-TrainerInnen möchten das Vermächtnis einer großen Vordenkerin weitertragen und schätzen und ehren ihre kostbare Hinterlassenschaft.

Beatrix Winkler, Physiotherapeutin beim Dienst für Erwachsenenrehabilitation im Krankenhaus Brixen