Einfach zum Aus-der-Haut-fahren!

14.03.2025, 08:00

Der Frühling ist da und alles sprießt und blüht … Freude pur – wären da nicht viele Allergikerinnen und Allergiker, die diese Jahreszeit am liebsten schnell hinter sich bringen möchten. Aber nicht nur Pollenallergien machen Jung und Alt zu schaffen, sondern auch Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten oder Hauterkrankungen. Wir haben nachgefragt, was allergisch sein heute bedeutet.

Foto: 123rf
Foto: 123rf

Klaus Eisendle, Primar der Dermatologie am Krankenhaus Bozen: „Am häufigsten ist sicher die allergische Rhinokonjunktivitis, umgangssprachlich Heuschnupfen genannt, beziehungsweise Pollenallergie im Fall von Pollen. Die häufigsten Allergieauslöser sind Pollen, gefolgt von Haustieren, Milben, Schimmelpilzen und Latex. Bei den Pollen sind Gräser die häufigsten Allergieauslöser, gefolgt von Baumpollen (v.a. Birke mit der kreuzreaktiven Hasel und Erle), Kräutern und der Olive (mit der kreuzreaktiven Esche). Bei den Tierhaaren ist die Katzenhaarallergie am weitaus häufigsten, aber auch Hunde, Pferde, Kühe und Kleintiere wie Meerschweinchen können zu Allergien führen.
Nicht zu vergessen, neben der allergischen Rhinokonjunktivitis gibt es auch andere Allergien wie Medikamentenallergien, Insektengiftallergien (Biene, Wespe) oder Kontaktallergien wie beispielsweise Nickel- und Lebensmittelallergien.“

Im Unterschied zu unseren nördlichen Nachbarn fänden sich in Südtirol, so Eisendle, auch Olivenallergien, welche hinter dem Brenner fast vollständig fehlen würden, da dort kaum Olivenbäume wachsen. Im südlicheren Italien fehle dafür die Birkenpollenallergie, da die Birke in wärmeren Gegenden nicht häufig vorkommt.

Allergien treten gehäuft in der Altersgruppe 30–50 auf, es kann auch über 80-Jährige und auch relativ häufig Kinder betreffen, erklärt der Primar. Als symptomatische Therapien stehen Antihistaminika und Cortisonpräparate als Spray, Augentropfen oder Tabletten zur Verfügung. Die allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen, Milbenallergie, Tierhaarallergie) und Insektengiftallergie, kann in vielen Fällen durch eine Desensibilisierungstherapie geheilt werden. Der Vorteil dieser Therapie ist eine Heilung der Allergie, zudem verhindert sie, dass neue Allergien entstehen.
Der Nachteil ist, die Therapie dauert drei bis fünf Jahre und ist somit relativ zeitaufwendig und teuer. „Die Therapie kann als Spritze oder Tablette eingenommen werden, wobei zuletzt immer mehr orale Therapien entwickelt werden, diese haben weniger Nebenwirkungen und können zu Hause eingenommen werden, die Spritzen müssen leider unter ärztlicher Beobachtung erfolgen“, so Eisendle. „Zudem konnten wir zeigen, dass eine Birkenpollenallergie und die damit verbundene Kreuzallergie auf Äpfel, Kern- und Steinobst durch den täglichen Verzehr von Äpfeln geheilt werden kann. Die Desensibilisierungstherapie mit Äpfeln wirkt gleich gut wie die Tabletten gegen die Birkenpollen – ein Bericht dazu findet sich bei Arte und ZDF (Kampf gegen Allergien – Hilfe für das Abwehrsystem – ZDFmediathek).“

Sabine Flarer

Das könnte Sie auch interessieren

Eine sehr hilfreiche Einrichtung ...

ist der aktuelle Polleninformationsdienst des Landes Südtirol (https://umwelt.provinz.bz.it/de/luft/ polleninformationsdienst-suedtirol), der wöchentliche Pollenflugberichte veröffentlicht (auf Wunsch auch an die persönliche E-Mail-Adresse). Natürlich kann man sich bei einer „Ladung“ jener Pollen, auf die man allergisch reagiert, nicht den ganzen Tag im Haus verkriechen – aber vielleicht können Freizeitaktivitäten gezielter geplant werden. Ganz besonders an warmen, sonnigen, trockenen und leicht windigen Tagen, an denen Allergikern geraten wird, die Fenster zu schließen. Weitere konkrete Tipps sind, Wäsche in dieser Zeit möglichst nicht im Freien zu trocknen, aber auch die Fenster beim Autofahren zu schließen. Wer kann, der sollte sich eine Auszeit am Meer oder im Gebirge gönnen, denn die tagsüber vom Meer Richtung Festland wehende Brise ist kaum mit Pollen belastet und in höheren Lagen ist die Pollenproduktion meist geringer.

Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz