„Die Zusammenarbeit mit Menschen lieben“

09.06.2023, 10:00

Am 9. und dann noch einmal am 13. Juni 2023 findet der 1. Führungskräfte-Tag im Südtiroler Sanitätsbetrieb statt. Rund 700 Führungskräfte aus allen Bereichen sind dazu eingeladen.

Florian Zerzer und Martin Matscher beim Gespräch über den Führungskräftetag. (Foto: Vera Schindler)
Florian Zerzer und Martin Matscher beim Gespräch über den Führungskräftetag. (Foto: Vera Schindler)

Darunter finden sich Vertreter verschiedener Berufsbilder, wie die Verantwortlichen der Magazine, des Postdienstes, Chefköche und -innen, Amtsdirektoren und -innen, Pflegekoordinatoren und -innen und auch die Direktorinnen und Direktoren der Gesundheitsdienste sowie Primare und Primarinnen. So unterschiedlich die Arbeitsbereiche sind, so ähnlich sind die Voraussetzungen und Kompetenzen, über die die Führungskräfte heute im Sanitätsbetrieb verfügen müssen. Über den Tag und das Führungsverständnis des Betriebes haben wir mit Generaldirektor Florian Zerzer und dem Direktor der Abteilung für Personalentwicklung Martin Matscher gesprochen.

Den rund 700 Führungskräften des Betriebes werden zwei Termine im Juni angeboten, um gemeinsam einen Tag lang über ihre Führungsvisionen zu reflektieren und zentrale Werte zu definieren, die von allen geteilt werden. Für Generaldirektor Zerzer ist es unverzichtbar, dass sich die Führungskräfte regelmäßig treffen und austauschen, um eine einheitliche Führungskultur zu etablieren. Dies umso mehr, weil sie aus unterschiedlichen Bereichen kommen und verschiedene Ausbildungen durchlaufen hätten, so Zerzer.

Auf die Rolle der Führungskraft im Gesundheitsbetrieb angesprochen, zieht Zerzer einen Vergleich zum Trainer im Sport: „Gerade dort sehen wir, dass der Coach eine zentrale Rolle spielt, damit eine Mannschaft erfolgreich sein kann. Ein und dieselbe Mannschaft erbringt unter einem Trainer Spitzenleistungen und kämpft unter einem anderen um den Abstieg. Von Führungskräften hängt also sehr viel ab. Heutzutage werden die Führungsaufgaben immer komplexer, zahlreicher und vielschichtiger. Spielentscheidend ist oft eine erfolgreiche Kommunikation mit dem Team.“

Mitarbeitende hätten heutzutage hohe Erwartungen an das Arbeitsumfeld, so Martin Matscher von der Personalentwicklung. Die Work-Life-Balance, also ein harmonisches Gleichgewicht aus Berufs- und Privatleben, sei in aller Munde. Auch darauf müsse eine Führungskraft Rücksicht nehmen können: „Einem guten Teamleader gelingt es, Personal anzuziehen. Es gibt Abteilungen, deren Stellenpläne voll besetzt sind, während andere Probleme haben, Personal zu rekrutieren“. Dazu ergänzt Zerzer, dass „Studien zeigen, dass der ausschlaggebende Kündigungsgrund bei 67 Prozent der Mitarbeitenden die/der Vorgesetzte ist“. Auch daraus wird die elementare Rolle von Führung ersichtlich.

In den letzten Jahren hat sich das Bild von Führungskräften stark verändert. Teamwork steht ganz oben auf der Agenda. Eine Führungskraft muss klare Ziele und Visionen vor Augen haben, die dem Team vermittelt werden. Die Führungskraft sollte den Mitarbeitenden auch Vorbild sein, diesen gleichermaßen als Coach zur Seite stehen und sie dabei unterstützen, das Beste aus sich herauszuholen, über sich hinauszuwachsen, ergebnisorientiert zu arbeiten und die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Auch im Gesundheitsbetrieb wird dies so gesehen. Zerzer betont, dass heutzutage Sozialkompetenz mindestens genauso wichtig sei wie Fachkompetenz:

„Empathie ist bedeutender denn je, eine gute Führungspersönlichkeit muss es ‚lieben, mit Menschen zusammenzuarbeiten‘ und zentrale Werte wie Respekt, Wertschätzung, Offenheit und ‚Kommunikation auf Augenhöhe‘ vorleben.“

Im Rahmen des „1. Führungskräfte- Tages“ Anfang Juni soll den Führungskräften des Betriebes auch ausreichend Raum und Zeit gegeben werden, um gemeinsam über die eigene Führungsvision und ihr Führungsverständnis zu reflektieren. Der Gesundheitsbetrieb möchte die Führungskraft unterstützen, im Berufsalltag dafür zu sorgen, dass die Arbeit die Mitarbeitenden nicht überfordert, sondern als erfüllende Tätigkeit wahrgenommen wird. Damit dies gelingt, werden künftig Führungskräfte auf ihre Rolle vorbereitet und – einmal ernannt – werden ihnen Weiterbildungsprogramme für alle wichtigen Kompetenzbereiche angeboten.

Ziel ist es, ein stimulierendes und gesundes Arbeitsumfeld für alle zu schaffen und gerade eine Tätigkeit im Gesundheitsdienst gilt als besonders bereichernd und sinnstiftend. Denn, wie Arthur Schopenhauer seinerzeit schon treffend festgestellt hat: „Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“.

Vera Schindler

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Investition in Führungskultur

Mitarbeiterführung ist ein Handwerk, das erlernt werden kann. Im Gesundheitsbetrieb wurde die Abteilung für Personalentwicklung geschaffen, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, Führungskräfte zu unterstützen und entwickeln. Die Förderung von Führungskräften wird in Zukunft ganz gezielt auf drei Ebenen erfolgen.

Auf einer ersten Ebene geht es darum, junge und fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine Führungsposition anstreben, zu fördern. Künftig wird es für alle Berufsgruppen eine Nachwuchsführungskräfteausbildung geben. Ziel ist es, einen sogenannten Talente-Pool zu schaffen, aus dem künftige Führungskräfte hervorgehen können.

Auf zweiter Ebene erhalten neue Führungskräfte eine etwa dreijährige Grundlagenausbildung, bei der es um das Erlernen der wichtigsten Führungskompetenzen geht. Die Themen reichen von sozialen Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeiten bis hin zu Privacy und rechtlichen Themen. Junge Führungskräfte lernen die Führungsinstrumente- und verfahren kennen, erhalten eine Begleitung und sollen auch in andere Bereiche hineinschnuppern können.

Bei sogenannten Second-Level-Ausbildungen geht es um die Qualifikation der Führungskräfte. Im Rahmen von kontinuierlichen Weiterbildungen werden die Themen der Grundlagenausbildung vertieft. Dabei geht es um Kommunikation, soziale und Führungsfähigkeiten, die Führungsinstrumente und -verfahren sowie Nachhaltigkeit und Digitalisierung.