Die Welt der Krankenhausapothekerinnen und -apotheker: Vielfältig, verantwortungsvoll und garantiert nie langweilig
Die Apothekerinnen und Apotheker im Südtiroler Sanitätsbetrieb sorgen dafür, dass die benötigten Arzneimittel und Heilbehelfe in ausreichender Menge und hoher Qualität zur Verfügung stehen. Sie spielen eine zentrale Rolle – von der Bestellung über die Herstellung und Lagerung bis hin zur systematischen Überwachung und Verteilung. Dabei stehen sie dem medizinischen Personal ebenso beratend zur Seite wie den Patientinnen und Patienten.
Die Arbeit der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten findet weitgehend im Verborgenen statt und wird daher manchmal zu wenig wahrgenommen. Grund genug, um einmal die Chefapothekerinnen und -apotheker aller vier Krankenhausapotheken ins Rampenlicht zu rücken. ONE hat mit dem Fotografen Ivo Corrà hinter die Kulissen der Krankenhausapotheke Bozen, der größten im Sanitätsbetrieb, geblickt. Sehen Sie sich die Fotoreportage über die vielfältigen Aufgabenbereiche an, die dabei entstanden ist.
Vera Schindler
Michela Falciani, Geschäftsführende Direktorin der Apotheke am Krankenhaus Bozen
„Krankenhausapothekerinnen und -apotheker verfügen über eine hohe professionelle Expertise. Nach dem Studium der Pharmazie oder Chemie absolvieren sie eine vierjährige Fachausbildung. Ich selbst habe mich in Pavia auf klinische und angewandte Pharmakologie spezialisiert.“
Michela Falciani leitet den Pharmazeutischen Dienst am Zentralkrankenhaus Bozen. Hier arbeitet ein Team, bestehend aus zwölf Apothekerinnen und Apothekern, zwei Pharmazeuten in Fachausbildung und einer Verwaltungsmitarbeiterin. Die größte Apotheke des Landes versorgt alle Abteilungen und Dienste des Krankenhauses, die Sprengel, Seniorenwohnheime, Notfalldienste und die vertraglich gebundenen Privatkliniken des Gesundheitsbezirkes. Neben dem Einkauf von Medikamenten und Medizinprodukten stellt sie auch Arzneimittel selbst her. Einige hochkomplexe Arzneimittel, wie etwa Medikamente für Stammzellentransplantationen, können nur in Bozen zubereitet werden. „Wir verwalten sämtliche Medikamente und Medizinprodukte und bereiten individuell angepasste Arzneimittel zu. Wir achten darauf, dass die Therapien wirksam und sicher sind und leisten somit einen wichtigen Beitrag für die Patientinnen und Patienten, die sich oft in einem kritischen Zustand befinden“, so Falciani zu den Aufgaben der Krankenhausapotheke. Zentral ist auch die systematische Überwachung der Arzneimittel und Medizinprodukte (Pharmakovigilanz). Darüber hinaus beteiligt sich der Pharmazeutische Dienst an klinischen Studien und der Arzneimittelausgabe.
Barbara Battistini, Chefapothekerin des Pharmazeutischen Dienstes am Krankenhaus Meran
„Das Besondere ist die Arbeit im Team mit Kolleginnen und Kollegen aus vielen verschiedenen Fachdisziplinen und die Themenvielfalt.“
In Meran leitet Barbara Battistini den Pharmazeutischen Dienst, sie steht sechs Apothekerinnen und Apothekern und jeweils einer Apothekerin und einem Apotheker in Fachausbildung vor. Lagerfachkräfte, Verwaltungsmitarbeitende und Krankenpfleger sowie Labortechniker werden von anderen Diensten für die Tätigkeit im Pharmazeutischen Dienst zur Verfügung gestellt. Barbara Battistini hat in ihrer Arbeit mit den verschiedensten Fachbereichen und Themen zu tun. Das sei für sie gleichermaßen reizvoll wie herausfordernd. Einen großen Teil der Tätigkeit macht die direkte Medikamentenabgabe aus. Die Apotheke versorgt hunderte chronisch kranke Patientinnen und Patienten, Palliativpatienten oder Patienten mit seltenen Erkrankungen mit Medikamenten, Diät- und Medizinprodukten. Im Labor für unsterile Galenik wird laufend an der Herstellung von Kapseln, Sirupen oder Lösungen gearbeitet. Im Sterillabor wurden im letzten Jahr über 12.000 Zubereitungen von Antikörpern und Krebsmedikamenten individuell für die einzelnen Patienten angefertigt. Etwa zwei Drittel der Gesamtkosten des Gesundheitsbezirks Meran werden für Krebsmedikamente und Medikamente des Immunsystems ausgegeben. Auf die Frage, warum Barbara Battistini Apothekerin geworden ist, meint sie: „Ich habe mich bereits als Schülerin für Naturwissenschaft und Medizin interessiert. Unserer Generation wurde aber seinerzeit vom Medizinstudium aktiv abgeraten, Stichwort ‚Medizinerschwemme‘. Ich schätze meinen Beruf nach wie vor und bin glücklich darüber, diesen im Krankenhaus ausüben zu dürfen.“
Marco Primerano, Direktor der Krankenhausapotheke Brixen, zu seiner Berufswahl:
„Ich würde allen, die sich dafür interessieren, empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen, vor allem in einem Krankenhaus, wo man mit innovativen Technologien und Medikamenten zu tun hat.“
Der Apotheker Marco Primerano ist geschäftsführender Direktor des Pharmazeutischen Dienstes im Gesundheitsbezirk Brixen. „Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil ich großes Interesse an Chemie, Biologie und medizinischen Fächern hatte“, erzählt er. „Nach meinem fünfjährigen Studium der Pharmazeutischen Chemie in Padua, habe ich mich in Mailand auf Pharmakologie und klinische Toxikologie spezialisiert. In meiner langjährigen Berufserfahrung habe ich festgestellt, dass die Rolle des Krankenhausapothekers immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der Apotheker ist dazu in der Lage, klinische, organisatorische und wirtschaftliche Aspekte zu integrieren.“ Der Pharmazeutische Dienst versorgt neben den Krankenhäusern Brixen und Sterzing auch die Sprengel im Gesundheitsbezirk, das Therapiezentrum Bad Bachgart, die Seniorenwohnheime und weitere Gesundheitseinrichtungen. In der Apotheke arbeiten außer Chefapotheker Primerano noch drei Krankenhausapothekerinnen und -apotheker und weitere Mitarbeitende, die mit dem Dienst eng zusammenarbeiten, nämlich ein Labortechniker und sechs Mitarbeitende des Magazins. Die Apotheke stellt sterile Infusionslösungen in individueller Dosierung für Krebspatientinnen und -patienten sowie verschiedene Galenika selbst her. Mit der technologischen Entwicklung und zunehmender Komplexität und Kosten von Therapien wird die Rolle des Krankenhausapothekers für das moderne Gesundheitswesen immer wichtiger. Eine der spannendsten Herausforderungen ist laut Marco Primerano die Digitalisierung, die derzeit im Betrieb umgesetzt wird und bei der die Apotheke eine zentrale Rolle spielt.
Martin Grossgasteiger, Chefapotheker der Krankenhausapotheke in Bruneck
„Mir gefällt an meiner Arbeit die tägliche Herausforderung, die stetige Weiterentwicklung und, dass ich mit meiner persönlichen Expertise die übrigen Gesundheitsberufe beraten und so einen Beitrag zur optimalen Versorgung der Patientinnen und Patienten leisten kann.“
Martin Grossgasteiger, Direktor des Pharmazeutischen Dienstes am Krankenhaus Bruneck, steht drei Apothekerinnen und Apothekern und einer Apothekerin in Fachausbildung vor. Zwei Verwaltungskräfte in Teilzeit unterstützen den Dienst beim Einkauf und weitere fünf Personen betreuen das Magazin. Neben den alltäglichen Herausforderungen bei der Leitung eines Dienstes stehen für ihn noch zahlreiche zusätzliche Aufgaben an. Dazu gehören die Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten und die Überwindung von Lieferengpässen. Im Rahmen der Pharmako- beziehungsweise Medizinproduktevigilanz überwacht die Apotheke den sicheren Umgang mit Medikamenten und Medizinprodukten. Zudem ist es ihre Aufgabe, Prozeduren und Leitlinien für einen sicheren Umgang mit Medikamenten und Medizinprodukten zu erstellen. Die Aufgaben sind so breit gefächert, dass es ständig Neuerungen gibt und es für den einzelnen Apotheker unmöglich geworden ist, alles abzudecken. „Auch in unserem Bereich ist inzwischen eine Spezialisierung nötig. Wenn ich wählen müsste, würde ich mich für die Onkologie entscheiden“, so Grossgasteiger.








