Buchtipp: Alles gut

20.11.2023, 23:00

von Astrid Kofler, Raetia Verlag

Bereits der Titel verspricht gute Schwingungen, blättert man dann ein wenig im 370 Seiten starken Bildband – mit über 130-Schwarz-Weiß-Fotografien bestückt – nehmen einen die sensiblen Texte und wunderbaren Nahaufnahmen der ausnahmslos 90-Jährigen sofort in Beschlag. Astrid Kofler sucht 31 Südtirolerinnen und Südtiroler zuhause auf, sie blickt mit Menschen aus Corvara wie aus Bozen und St. Pankraz/Ulten in die Vergangenheit, aber auch darauf, was ihnen heute wichtig ist. Besonders spannend dabei: Jedes Portrait ist respektvoll gehalten und doch unterhaltsam, man erfährt, dass der nunmehr hochaltrige ehemalige Carabiniere ein Verhältnis mit einem Dorfmädel hatte, was damals gar nicht gut ankam, aber auch, dass die vielbeschäftige Ehefrau eines ehemaligen Politikers sich oftmals mehr Ruhe wünschen würde. Ein Ziehorgelspieler gibt zu, es nicht immer ganz ernst mit der Treue genommen zu haben, gekonnt ergänzt Kofler die zynischen Aussagen dessen Frau.

Man hat das Gefühl, als würde man die beschriebenen Seniorinnen und Senioren persönlich kennen, so pointiert beschreibt Kofler das Leben jeder/jedes Einzelnen. Jede Geschichte ist auch eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit: Religion und harte Arbeit spielten bei den meisten Portraitierten eine große Rolle, doch schon immer rebellierten Menschen gegen Rollen – so erzählt etwa Frau Anna aus Prettau, dass sie „sich die Väter ihrer Kinder selbst suchen wollte, sie wollte unabhängig sein“. Frau Lucia war die treibende Kraft, damit ihr Mann ein gutgehendes Geschäft aufbauen konnte. Frau Anna S. machte trotz widriger Umstände im reifen Alter von 40 die Ausbildung zur Krankenpflegerin und bereute diesen Entschluss nie. Ein Buch zum Blättern, Lesen und Wieder-Lesen - und als Ausblick, was wirklich zählt am Lebensende. Leider ist Band 1 bereits vergriffen, doch Astrid Kofler hat mittlerweile mit „Alles wird gut“ einen zweiten Band verfasst.

Sabine Flarer