Aye, aye, Captain – Sabes auf Kurs

09.06.2023, 09:00

Was bedeutet es, heute Führungskraft im Gesundheitsbetrieb zu sein?

Leuchtturm (Foto: Manuel Schneider)
Leuchtturm (Foto: Manuel Schneider)

Anlässlich des Führungskräfte-Tages hat die Abteilung für Kommunikation zusammen mit der RAI-Reporterin Sigrid Flenger einen Kurzfilm realisiert. 24 Führungskräfte wurden zu ihrer Führungsrolle befragt. Mit Hilfe von Metaphern aus der Seefahrt erzählen sie aus ihrem Berufsalltag. Sie schildern, wie sie ihre Rolle als Kapitänin beziehungsweise Kapitän sehen, welche Bedeutung ein Leuchtturm für sie hat, ob sie in ihrer täglichen Arbeit einen Rettungsring benötigen, wie es an Bord läuft, ob sie durch stürmisches oder ruhiges Meer navigieren und mit welchem Meerestier sie sich in ihrer Rolle identifizieren können. Der ganze Film kann auf dem YouTube-Kanal des Sanitätsbetriebes angesehen werden, einige Ausschnitte aus den Interviews können hier nachgelesen werden.

Sigrid Flenger

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Martin Karner,
Primar der Radiodiagnostik, Krankenhaus Bruneck

Martin Karner, Primar der Radiodiagnostik, Krankenhaus Bruneck

Wie sehen Sie sich selbst als Kapitän auf dem Schiff?
Der Kapitän kann nicht alles selbst machen. Ich sehe mich als Teil des Teams, der mit seiner Erfahrung vorangeht, eine Vision der Zukunft hat, eine klare Richtung sieht und aus seiner Erfahrung die Gefahren sieht, die links und rechts auf uns warten, damit wir uns nicht verrennen und nicht auf Land auffahren, damit wir eben in die richtige Richtung steuern. Das geht nur, wenn das gesamte Team die Ideen teilt. Als Kapitän muss ich es begeistern und mitnehmen.

Brauchen Sie manchmal einen Rettungsring?
So oft brauche ich ihn nicht. Ich denke, man sollte sich den Job auswählen, in dem man sich sattelfest fühlt und ausreichend schwimmen kann.

Micol Cont,
Primarin der Pädiatrie, Krankenhaus Sterzing

Micol Cont, Primarin der Pädiatrie, Krankenhaus Sterzing

Wie sehen Sie Ihre Rolle auf dem Schiff als Kapitänin?
Ich muss dafür sorgen, dass es in der Patientenversorgung so gut geht wie möglich. Aber meine Hauptverantwortung sehe ich bei den Mitarbeitern: „employees first“. Es ist wichtig, dass es ihnen gut geht. Ich muss Dienstpläne aufstellen, die für sie passen. Ich muss darauf achten, dass sie gefördert und gefordert werden, dass sich langjährige Mitarbeiter nicht in der „Komfortzone“ befinden, ich muss sie in die „Learning Zone“ zurückbringen, damit sie besser die Ziele erreichen.

Auf welchem Schiff befinden Sie sich?
Spontan würde ich sagen, ein Segelboot, das dahingleitet, strukturiert, organisiert, wo man sich von Windböen nicht überraschen lassen muss. Ich muss jeden Tag alarmbereit und kreativ sein.

Daniele Carion,
geschäftsführender Koordinator der Ambulatorien im Krankenhaus Bozen

Daniele Carion, geschäftsführender Koordinator der Ambulatorien im Krankenhaus Bozen

Wie sehen Sie die Rolle des Kapitäns auf dem Schiff?
Er muss in der Lage sein, sein gesamtes Team gut zu führen. Er muss es in die Aufgaben einbinden, die auf dem Schiff anfallen, um es in den Hafen zu bringen. Übrigens war ich auch im richtigen Leben Kapitän auf einem Schiff: Es ist eine heikle Aufgabe. Wenn auch nur ein Rädchen nicht funktioniert, geht gar nichts mehr. Ein Kapitän braucht eine gut ausgebildete und fähige Besatzung und er sollte nicht von oben herab kommandieren.

Mit welchem Fisch können Sie sich identifizieren?
Mit einem Delfin. Delfine sind intelligent und lebhaft und machen auch Kunststücke. Auch bei ihnen gibt es eine Rangordnung: den Papa, die Mama, den Erstgeborenen … einen, der jagt und einen, der die Route bestimmt.

Martina Vieider,
Direktorin des Amtes für Verwaltungsaufgaben, Krankenhaus Bozen

Martina Vieider, Direktorin des Amtes für Verwaltungsaufgaben, Krankenhaus Bozen

Wie ist das Wetter auf der Schiffsfahrt?
Ich sehe meinen Führungsalltag wie ein durchwachsenes Wetter. Es herrscht Sonnenschein, im nächsten Moment kommt Sturm auf und im nächsten Moment scheint wieder die Sonne bis hinein in den Sternenhimmel. Das spiegelt ganz gut einen typischen Arbeitstag wider.

Wozu brauchen Sie den Rettungsring?
Den brauche ich, wenn jemand vom Weg abkommt oder nicht mehr die Werte lebt oder wenn jemand über Bord gerät, weil er sich zu weit hinauslehnt. Dann gilt es, ihn wieder zurückzuholen ins Team.

Christian Dejaco,
Primar des landesweiten Rheumatologischen Dienstes

Christian Dejaco, Primar des landesweiten Rheumatologischen Dienstes

Sie sind der Kapitän und steuern das Schiff. Wie sind die Wetterbedingungen?
Es gibt Sonnenschein, aber auch Wetterkapriolen, die wir überstehen müssen - so würde ich die Situation im Sanitätsbetrieb sehen.

An Bord läuft nicht immer alles gut, was fehlt?
Wie wahrscheinlich bei mehreren Schiffen im Sanitätsbetrieb, ist es mitunter nicht ganz einfach, neue Matrosen zu finden. Die verschiedenen Fahrtenscheine und anderen Zettel, die auf einem Schiff zum Ausfüllen sind, sind mitunter überbordend und komplex. Dies gilt nicht zuletzt auch für das Morsen und die Funksprüche nach außen, die mitunter von der Privacy unterbunden werden oder unsere Funksprüche deutlich erschweren.

Andrea Toniutti,
Direktor der Abteilung Informatik

Andrea Toniutti, Direktor der Abteilung Informatik

Welche Technik gibt es auf dem Schiff?
Auf dem Schiff gibt es Steuerungsinstrumente und ein Logbuch, um Abfahrtspunkt und Anlegestelle bestimmen zu können. Man muss auch in der Lage sein, Fehler und mögliche unvorhergesehene Störungen zu beheben. Man muss ständig bereit sein, Schwierigkeiten zu bewältigen und im Team arbeiten, um gefährliche Hindernisse zu umschiffen.

Wie ist das Wetter auf der Fahrt?
Die Wetterbedingungen sind eher unbeständig. Verglichen mit 2019, als ich begonnen habe, hat sich das Wetter sicher verbessert, aber die Sonne scheint noch immer nicht. Es herrscht rauer Seegang, wir müssen immer mit großer Vorsicht segeln und uns ständig verbessern, um unser Ziel, den Leuchtturm, zu erreichen.

Simone Koppmann,
Koordinatorin der Hämodialyse, Krankenhaus Schlanders

Simone Koppmann, Koordinatorin der Hämodialyse, Krankenhaus Schlanders

Was bedeutet für Sie der Leuchtturm?
Ich möchte ein Leuchtturm sein, indem ich als positives Beispiel vorausgehe und leidenschaftlich meinen Beruf ausübe. Indem ich meinen Mitarbeitern Stabilität und Sicherheit gebe und sie in Krisenzeiten unterstütze.

Was läuft gut auf dem Schiff?
Beziehung und Kommunikation laufen gut auf meinem Schiff. Die gegenseitige Unterstützung ist unsere Stärke. Wenn sich ein Mitarbeiter in einer schwierigen Zeit befindet, wird er unterstützt. Es werden viele Gespräche geführt und spezifische Kompetenzen, die für mein Schiff wichtig sind, werden entwickelt.

Harald Frena,
Koordinierender Pflegedienstleiter Gesundheitsbezirk Brixen

Harald Frena, Koordinierender Pflegedienstleiter Gesundheitsbezirk Brixen

Was läuft nicht gut auf dem Schiff?
Als Captain begleitet man die jeweilige Situation. Ich finde, wir sollten gut oder schlecht nicht zu sehr differenzieren. Es gibt Sachen, die gut laufen und einige, die weniger gut laufen, das gehört einfach dazu. Man sollte mehr das Gesamtbild sehen und dieses gemeinsam weiterbegleiten.

Wofür brauchen Sie einen Rettungsring?
Den Rettungsring möchte ich gerne jenen zur Verfügung stellen, die einen brauchen. Ich lasse bewusst viele Rettungsringe herumliegen und wenn ich sehe, dass einer daran hängt, dann hole ich ihn gerne zu mir und wir schauen gemeinsam, wie wir die Sache lösen können. Akut "säuft" aber niemand ab.

Karin Pixner,
Koordinatorin Patientenbegleitdienst, Krankenhaus Meran

Karin Pixner, Koordinatorin Patientenbegleitdienst, Krankenhaus Meran

Welche Rolle haben Sie als Kapitänin auf dem Schiff?
Ich sehe mich als Steuermann und Anker zugleich. Ich muss steuern und gleichzeitig der Anker sein für meine Mitarbeiter.

Welcher Fisch sind Sie?
Ich bin der Hai, der alle verteidigt, überhaupt, wenn es um die Mitarbeiter geht. Es ist wichtig, dass man hinter ihnen steht und sie bestmöglich unterstützt.

Wie ist das Wetter?
Das Wetter auf dem Schiff ist sehr gut, es gibt immer wieder Wolken, aber das braucht es auch. Es braucht sowohl Regen als auch Sonnenschein. Den Rettungsring brauche ich zurzeit nicht, aber man weiß ja nie - deshalb nehme ich ihn auf jeden Fall mit.

Stefania Bertolami,
Direktorin des Amtes für allgemeine Dienste, Krankenhaus Bozen

Stefania Bertolami, Direktorin des Amtes für allgemeine Dienste, Krankenhaus Bozen

Welcher Fisch sind Sie?
Ich sehe mich als Flussfisch, etwa als Flussbarsch. Mir gefällt die Metapher mit dem Fluss. Ich stelle mir vor, einen kleinen Bereich im kühlen Wasser zu haben, das strömt und in dem ich mich bewege. Dort fließt alles, das ist eine schöne Vorstellung. Ich sehe mich eher in dieser natürlichen Umgebung.

Wie ist das Wetter?
Unbeständig. Es gibt Momente, in denen man den Glauben verlieren könnte. Aber ich bin es gewohnt, diesen nie zu verlieren. Ich versuche immer, mich auf die Seite der Kunden und all jener die ins Krankenhaus kommen, zu stellen. Letztendlich habe ich eine große Verantwortung, so wie ein Schiffskapitän. Es gibt Regeln, die befolgt und beachtet werden müssen. Aber ein Kapitän muss sich auch beraten lassen und das interpretieren, was um ihn herum vor sich geht.

Michael Mian,
geschäftsführender Direktor des Dienstes für Innovation, Forschung und Lehre

Michael Mian, geschäftsführender Direktor des Dienstes für Innovation, Forschung und Lehre

Was bedeutet für Sie der Leuchtturm?
Ich interpretiere den Leuchtturm als etwas, das Ziele aufzeigt. Ich glaube, dass ich das oft für die Mitarbeiter sein kann, indem ich sage „Hört, dieses Ziel wäre gut zu erreichen. Wie schaffen wir das und wie bringen wir Licht in die ganze Geschichte?“

Wie ist das Wetter?
Grundsätzlich haben wir Aprilwetter. Da wir etwas Neues machen, haben wir einige Leute, die dafür sind, einige, die dagegen sind und solche mit gemischter Stimmung. Manchmal schlagen uns hohe Wellen entgegen. Aber es ist Land in Sicht: Wir haben einiges geschafft und wenn es so weitergeht, bin ich guter Dinge, dass wir bald mehr Land sehen.