Allergien im Kindesalter

14.03.2025, 07:00

Aber auch die Kleinsten bleiben von Allergien und Unverträglichkeiten nicht verschont: Laut Fachärztin Lucia Willeit aus dem Team von Primarin Walburga Cassar der Pädiatrie am Krankenhaus Bruneck, ist die allergische Rhinokonjunktivitis auch bei Kindern die am weitesten verbreitete allergische Erkrankung. Während Niesen und Augentränen noch zu den leichteren Symptomen gehören, können Asthma oder spätere Nahrungsmittelallergien zu ernsteren Problemen führen und die Lebensqualität erheblich behindern. „Bei Säuglingen sehen wir eher Nahrungsmittelallergien, bei Klein- und Grundschulkindern eher Allergien auf Haustiere, Hausstaubmilben oder Pollen. Jugendliche leiden eher an Pollenallergien, aber Allergien verändern sich häufig im Laufe des Kindesalters – sie können sich auch bis zum Erwachsenenalter zurückbilden. Dies betrifft vor allem Neurodermitis und früh aufgetretene Formen von Nahrungsmittelallergien“, so Willeit. Allerdings hätten Schulkinder mit einer Pollenallergie ein höheres Risiko, in weiterer Folge an Asthma zu erkranken. Neben Medikamenten beziehungsweise einer spezifischen Immuntherapie – die Erfolgsrate liegt hier laut Willeit bei 70 bis 80% – gilt eine sogenannte „Allergenkarenz“, also das Vermeiden der Allergieauslöser, als beste Behandlungsform. Spezielle Matratzenüberzüge oder eigene Diäten für Nahrungsmittelallergiker zählen zum Beispiel dazu.

Laut Fachärztin Lucia Willeit haben sich in den vergangenen Jahrzehnten allergische Erkrankungen „epidemieartig“ ausgebreitet: „Vor allem in der jüngeren europäischen Bevölkerung sind diese mit über 30% weit verbreitet.“ Umweltfaktoren würden hier eine Rolle spielen, wobei aber das Hochgebirgsklima mit seinen Reizfaktoren wie Temperatur, Wind, Sonneneinstrahlung und Luftdruck den Organismus meist positiv beeinflussen würde.

Zu viel Abgeschlossenheit kann Kindern aber eher schaden: „Man hat festgestellt, dass Kinder, die in einer Bauernhof-Umgebung aufwachsen, ein Asthma-Risiko von nur 1% haben, in der Stadt sind es 12%.

Grund dafür ist laut aktuellen Studien ein von Kühen abgesondertes Protein“, so Willeit. Mittlerweile gibt es erste erfolgversprechende Therapien in Österreich, bei denen Kinder Lutschtabletten mit diesem Wirkstoff zu sich nehmen. Generell gelte es, dass zu viel Sauberkeit eher schade – „mikrobielle Diversität, also Schmutz schützt“, so auch Primar Eisendle.

Zur Vorbeugung empfiehlt die Kinderärztin unter anderem Stillen und den Verzicht auf Rauchen, beim Innenraumklima sollte auf eine schimmelfreie Umgebung geachtet werden. Leiden Säuglinge und Kinder unter sichtbar trockener Haut, sollten sie regelmäßig eingecremt werden. Gerade bei Hauterkrankungen sei es wichtig, auf Provokationsfaktoren wie bestimmte Textilien (Wolle), aber auch Nahrungsmittelallergien oder klimatische Faktoren (extreme Kälte und/oder Trockenheit, hohe Luftfeuchtigkeit) zu achten. Und Primar Klaus Eisendle fügt noch hinzu: „Eine Beikost ab dem vierten Lebensmonat ist zu empfehlen, man vermutet, dass besonders geriebener Apfel gegen die Birkenpollenallergie hilft.“

Auch Erwachsene mit schweren Erkrankungen, z.B. mit Tumordiagnosen, würden oft Allergien entwickeln, wie der Leiter des Dienstes für Komplementärmedizin im Krankenhaus Meran, Giuseppe Cristina, bestätigt: „Manchmal treten bei Tumorpatientinnen oder -patienten im Laufe einer Chemo- oder Strahlentherapie allergische Reaktionen auf. Oft betrifft eine Allergie auch die Haut, die sich durch die Medikamente verändern kann. Hier können wir mit Akupunktur meist gute Ergebnisse erzielen und die Symptome sehr oft lindern.“

Last but not least ein Blick in die Zukunft: Primar Klaus Eisendle nennt ebenso wie sein Kollege Primar Michael Kob die Erforschung des Mikrobioms und der mikrobiellen Diversität als besonders spannende Themen: „Die Mikrobiomerforschung wird im Falle von Allergien, Neurodermitis und auch anderen Krankheiten sicher relativ bald neue wirksame Präventionsansätze, aber auch Therapieansätze im Sinne von Prä- und Probiotika hervorbringen.“

Sabine Flarer

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Quelle: Klimaland Südtirol