Neue Wege für eine praxisorientierte Sprachausbildung
Mit Oktober 2024 wurde im Südtiroler Sanitätsbetrieb ein neues Kapitel der Sprachförderung aufgeschlagen: Erstmals wurden speziell auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden aus den Bereichen Medizin und Pflege abgestimmte Sprachzertifizierungsprüfungen angeboten.
Die Prüfungen fanden im Verwaltungssitz des Südtiroler Sanitätsbetriebes in Bozen statt, organisiert von der Abteilung Personalentwicklung des Sanitätsbetriebs, genauer gesagt vom Sprachenteam, dem „Team Languages“. Die Prüfungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Sprachdiplom Deutsch (ÖSD) durchgeführt, welches auch die externe Kommission stellte.
Spezialisierte Prüfungen mit direktem Praxisbezug
Insgesamt traten am 12. Oktober 2024 zehn Kandidatinnen und Kandidaten zur B2-Prüfung an. Eine der wesentlichen Neuerungen war dabei die Einführung einer Sprachprüfung mit Schwerpunkt Medizin und Pflege – ein entscheidendes Plus, wie Katrin Tartarotti, Initiatorin des Projekts, betont: „Ein wesentlicher Vorteil dieser Prüfungen besteht darin, dass die Mitarbeitenden sich gezielt auf den Wortschatz vorbereiten können, der für ihren Arbeitsbereich relevant ist. Dies ermöglicht eine praxisnahe Sprachvorbereitung, die direkt in den Arbeitsalltag integriert werden kann.
Nichtsdestotrotz bleibt es wichtig, dass diese Sprachprüfungen nicht nur die Fachterminologie abdecken, sondern auch die allgemeinen sprachlichen Fähigkeiten fördern, um eine umfassende Kommunikation im Berufsalltag zu gewährleisten.“
Die Vorbereitung auf die Sprachprüfung wurde mit Sprachkursen begleitet, die auf den spezifischen Wortschatz der Gesundheitsbranche ausgerichtet waren.
Der direkte Praxisbezug motiviert die Teilnehmenden besonders, da sie die erlernten Kenntnisse unmittelbar in ihrer beruflichen Tätigkeit anwenden können. So konnte nicht nur die Sprachkompetenz gefördert, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung verbessert werden, wie Martin Matscher, Direktor der Abteilung Personalentwicklung, erläutert: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ohne Zweisprachigkeitsnachweis auf ihrem Weg zur Zweisprachigkeit umfassend zu unterstützen. Aus Umfragen wissen wir, dass sich viele Mitarbeitende eine Prüfung wünschen, die inhaltlich die Bereiche Pflege und Medizin abdeckt. Zu den Vorteilen dieser spezialisierten Prüfungen gehören eine bessere Kommunikation und damit eine bessere Betreuung der Patientinnen und Patienten sowie eine stärkere berufliche und gesellschaftliche Integration.“
Eine Woche später, am 19. Oktober 2024, stellten sich 15 Kandidaten der C1-Prüfung. Diese bestand noch aus einer Prüfung zum allgemeinen Wortschatz, aber es wird auch auf dem Niveau C1 eine Sprachprüfung mit Schwerpunkt Pflege und Medizin angestrebt.
Digitalisierung und neue Prüfungsmethoden
Eine weitere Neuheit war das digitale Prüfungsformat, das unter dem Motto „Bring your own device“ stand, was heißt, dass alle Teilnehmenden ihren eigenen Laptop mitbringen konnten. Diese rein digitale Prüfung brachte mehrere Vorteile mit sich: Papierverbrauch konnte vollständig vermieden werden, die Prüfungsorganisation war übersichtlicher und die Ergebnisse wurden unmittelbar an die Zentrale übermittelt. Auch für die Prüfungsteilnehmenden selbst ergaben sich Vorteile. Da keine handschriftliche Rohfassung mehr nötig war, konnten sich diese besser auf den Schreibprozess konzentrieren und gewannen so wertvolle Zeit.
Die erfolgreichen Prüfungen markieren den Beginn einer neuen Ära in der Sprachförderung des Südtiroler Sanitätsbetriebs. Künftige Prüfungen bleiben weiterhin den Bediensteten aus dem sanitär-medizinischen Bereich ohne Zweisprachigkeitsnachweis vorbehalten, Vorrang wird dabei Teilnehmenden der internen Sprachkurse gegeben. Für das Verwaltungspersonal sind keine Prüfungen dieser Art vorgesehen.
Auch die Teilnehmenden der internen Italienischkurse auf den Sprachniveaus B2 und C1 werden im November 2024 bei einer Sprachprüfung antreten:
Sie werden die PLIDA-Prüfung am Institut „Società Dante Alighieri“ in Bozen ablegen. Leider gibt es für die italienische Sprache noch keine spezielle Prüfung für die Bereiche Medizin und Pflege.
Das Feedback der Teilnehmenden war jedenfalls durchwegs positiv. Abschließend bleibt festzuhalten, dass dieses neue Prüfungsformat ein wichtiger Schritt in Richtung einer praxisnahen Sprachqualifizierung darstellt, die sowohl die beruflichen Anforderungen als auch die persönliche Motivation der Sanitätsbediensteten fördert.
Peter A. Seebacher