"Lebendige Werte müssen berühren"

07.07.2025, 08:00

Im Rahmen des Quality Days am 29. Mai in Bozen wurde klar, dass Werte nur dann keine leeren Worte bleiben, wenn sie mitgetragen werden.

Foto: SABES
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Die Klinische Führung hatte zur Tagung eingeladen und der wissenschaftliche Leiter Oliver Neeb freute sich, dass rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Berufsgruppen und Landesteilen gekommen waren.

Für Landesrat Hubert Messner bedeutet Qualität bedarfsgerechte Versorgung – „bis hin zur Exzellenz“. Er brach eine Lanze dafür, nicht nur die Wirtschaftlichkeit zu sehen, sondern auch Menschenwürde, Empathie und Gerechtigkeit.

Gleich zu Anfang forderte Sanitätsdirektor Josef Widmann das Publikum auf, sich kurz mit dem Sitznachbarn über die eigenen Werte zu unterhalten. In einer persönlichen Erzählung berichtete er von einer Umfrage im Freundeskreis, bei der alle Befragten eindeutig „Vertrauen“ als den wichtigsten Wert nannten. „Lebendige Werte müssen berühren“, so seine Aussage.

Oliver Neeb stellte sein Aufgabengebiet vor, es folgten Referate von Mirko Bonetti, dem Statistikinspektor der Beobachtungsstelle für Gesundheit des Landes Südtirol („man muss Trends erkennen und auch korrekt interpretieren“) und des Qualitätsverantwortlichen des Sanitätsbetriebes Bologna, Carlo Descovich.

Dieser ist überzeugt: „Die Leute müssen Lust haben, zu arbeiten!“ Nur, wenn auch kleine Erfolge, sogenannte „Quick wins“, gebührend anerkannt würden, zögen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in schwierigen Zeiten mit.

Die ehemalige Primarin des Psychiatrischen Dienstes Meran, Verena Perwanger, stellte ihre Tätigkeit als Deeskalationstrainerin vor: „Wir müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fragen, was sie brauchen.“ Bei den Deeskalationstrainings wird aufgezeigt, dass sich auch die Patientinnen und Patienten in einer Ausnahmesituation befinden. Wer die Auslöser für das Handeln kennt, kann Wege finden, damit umzugehen. 

Luca Fazzi, Soziologe der Universität Trient, zeigte auf, wie subtil oft psychische oder physische aber auch sexualisierte Gewalt an den Patientinnen und Patienten verlaufen kann. Dem Südtiroler Sanitätsbetrieb stellte er in dieser Hinsicht ein gutes Zeugnis aus, jedoch gelte es immer, wachsam zu bleiben.

Ein gänzlich anderes Thema stellte die Schlanderser Anästhesistin Nicole Ritsch vor: Mit ihrem „Room of Horrors“ ist es gelungen, berufsgruppenübergreifend eine Schulung zu starten, die mit wenig Aufwand eine gelungene Fehlerkultur ermöglicht.

„The second victim“ nannte sich der Vortrag des Risk-Managers der Region Toskana, Francesco Venneri. Dabei wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen nach Fehlern nicht allein gelassen werden: „Man muss sich gegenseitig stützen.“

Business-Coach Mauro Cavosi erklärte, dass die arbeitsamsten Mitarbeiter nicht immer das größte Führungspotenzial hätten – „wenn diese unbeliebt sind im Team, dann wird das nichts.“ Stattdessen sollte man fragen, auf wen man sich verlassen könne, wer im Zweifelsfall dem Team den Rücken freihält.

Bettina Pfausler, Neurologin an der Universitätsklinik Innsbruck, legte dar, wie Qualität verzerrt werden kann: „Menschen fahren zu Schönheitsoperationen nach Fernost, die OP verläuft gut – allerdings sind die hygienischen Bedingungen anders und die Frischoperierten kommen mit schweren Infektionen nach Hause, wo wir sie dann auf Kosten der Allgemeinheit versorgen müssen.“

Arianna Cocchiglia, spezialisiert auf Künstliche Intelligenz in der Region Venetien, wies darauf hin, dass KI Kliniker und Patienten unterstützen kann. Dazu seien sehr viele Daten notwendig, denn „wir lehren der Maschine, wie Menschen zu denken“. Rechtlich sei jedoch noch immer der Mensch, der seine Unterschrift zum Beispiel unter einen Befund setze, verantwortlich.

Sabine Flarer