Hand in Hand: Warum eine frühe Therapie nach einem Speichenbruch wichtig ist

07.07.2025, 07:50

Melanie Messner, Ergotherapeutin im Gesundheitsbezirk Brixen, war beim Symposium der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie in Berlin eingeladen, über die sogenannte frühfunktionelle Therapie zu sprechen. Messner wurde dabei von der Fachärztin Alexandra Obermair und dem Facharzt Frank Nienstedt unterstützt und begleitet. Wir haben Frau Messner gebeten, uns die Kernaussagen zu erläutern.

Melanie Messner (Foto: DAH)
Melanie Messner (Foto: DAH)

Frau Messner, Sie sprechen von der distalen Radiusfraktur beziehungsweise dem handgelenksnahen Knochenbruch der Speiche – dem häufigsten Knochenbruch des Menschen, der bis zu 25 Prozent aller Frakturen ausmacht, besonders oft bei Kindern und im Alter. Was ist das Besondere an dieser Fraktur?
Wir können heute davon ausgehen, dass bis zum Jahr 2050 aufgrund der demografischen Entwicklung diese Frakturen um rund 38 Prozent zunehmen werden. Die medizinische Versorgung dieser Patientinnen und Patienten kann konservativ – mit einem Gips – oder operativ durchgeführt werden. Durch die chirurgische Versorgung können wir jedoch bereits am zweiten Tag nach dem Eingriff mit der Bewegungstherapie beginnen. Eine sogenannte frühfunktionelle Therapie führt zu besseren Ergebnissen, denn dadurch kann die Funktionalität der Hand und somit auch die Lebensqualität gesteigert werden, während gleichzeitig die negativen Effekte der Immobilisation reduziert werden können.

Auf was gilt es dabei zu achten?
Die ersten zwei Monate nach der Versorgung beeinflussen die Genesung wesentlich. Eine ganzheitliche Frühversorgung strebt nicht nur die Wiederherstellung möglichst korrekter anatomischer Verhältnisse an, sondern auch eine möglichst vollständige Wiederherstellung der Handfunktionen, eine frühe Rückkehr zu Alltagsaktivitäten und in den Arbeitsprozess sowie eine Reduktion der sozio-ökonomischen Kosten. Je nach Art der Verletzung muss der behandelnde Arzt jedoch entscheiden, ob diese Therapieform angewandt werden kann. 

Wie läuft die frühfunktionelle Therapie ab?
Die Therapie wird individuell an den Patienten oder die Patientin angepasst. Man beginnt in kleinen Schritten und steigert sich dann langsam. Nach der Entzündungsphase sollte im Wundgebiet die Narbenbehandlung adäquat überwacht werden. Egal ob konservativ oder chirurgisch behandelt wird, es ist wichtig, auf Schwellungen zu achten und auch die nicht betroffenen Gelenke, insbesondere die Finger, zu mobilisieren. Sollte ein Gips angepasst worden sein, muss auf die freie Fingerbeweglichkeit und somit auf die Aufrichtung des Handgewölbes geachtet werden. Nach und nach muss die Hand auch langsam wieder gekräftigt werden, um eine gute neuromuskuläre Koordination zu erreichen.

Muss der Patient beziehungsweise die Patienten zu Hause auch noch üben?
Ja, es wird immer auch ein Übungsprogramm für daheim gezeigt, die Aufgaben enden nicht an der Krankenhaustür. Dosierte Bewegung und Aktivität fördern den Einsatz der betroffenen Hand im Alltag. Natürlich muss der Patient beziehungsweise die Patientin mitarbeiten – es braucht erfahrenes ärztliches und therapeutisches Personal, welches die Lage korrekt einschätzt, aber die Eigeninitiative des Betroffenen ist immer notwendig. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist die frühfunktionelle Therapie ein sicheres Verfahren, das vor allem in den ersten sechs bis acht Wochen einen Vorteil zeigt, so können etwa Schmerzen teilweise reduziert werden. In allen Studien wird die Vermutung nahegelegt, dass das Erzielen der besseren funktionellen Ergebnisse auch zu einer früheren Rückkehr zur Arbeit führen kann.

Sabine Flarer