Die Kraft von Beziehungen

24.11.2025, 09:10

Rund 200 Fachkräfte aus verschiedenen Gesundheitsberufen haben am 19. November 2025 im Forum Brixen an der Tagung „Relation Based Care“ des Südtiroler Sanitätsbetriebs teilgenommen. Die Veranstaltung stand unter dem Leitmotiv „Inclusion, Care & Leadership“.

Tagung Relation Based Care (Foto: Sabes/pas)
Tagung "Relation Based Care" (Foto: Sabes/pas)

Zentrale Themen der am vergangenen Mittwoch stattgefundenen Tagung des Südtiroler Sanitätsbetriebs „Relationship Based Care – die Kraft von Beziehungen in der Versorgung der Patientinnen und Patienten“ waren Beziehungskompetenz, Teamorientierung und moderne Führungskultur. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten im Forum Brixen, wie sich die Qualität der Versorgung angesichts wachsender Anforderungen nachhaltig sichern lässt.
Im Mittelpunkt stand ein Befund, der sich quer durch sämtliche Vorträge zog: Beziehungen sind ein entscheidender Faktor für Patientensicherheit, Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Behandlungserfolg.
Pflegewissenschaftlerin Claudia Leoni-Scheiber warnte vor einer zunehmenden „Shallow Nursing“-Kultur, in der Standardisierung und Zeitdruck empathische Pflege zu verdrängen drohten. Sie stellte Forschungsergebnisse vor, wonach fehlende Kommunikation, verkürzte Interaktionen und vernachlässigte Beobachtungszeit messbar zu Komplikationen und vermeidbaren Todesfällen führen können. Ihr Gegenmodell: Deep Nursing, eine Pflege, die auf menschlichen Werten, Erzählungen und reflektierender Praxis basiert – und dadurch zu besseren klinischen Entscheidungen und höherer Patientensicherheit beiträgt.

Die Schweizer Pflegeexpertin Barbara Preusse-Bleuler zeigte anhand zahlreicher Studien, dass Familienzentrierte Pflege sowohl Patientinnen und Patienten als auch Angehörigen und Fachpersonen hilft: bessere Bewältigungsstrategien, weniger Belastung, mehr Selbstwirksamkeit. „Angehörige wollen verstehen, beteiligt werden und etwas beitragen können. Wenn man das ermöglicht, verbessert sich die Versorgung spürbar“, so Preusse-Bleuler.
Wie entscheidend Führung für den Behandlungserfolg ist, unterstrich Prof. Renate Tewes: Bis zu 80 Prozent der Behandlungsfehler seien auf mangelhafte Kommunikation zurückzuführen. Beziehungsorientierte Führung – mit klaren Rollen, Wertschätzung, psychologischer Sicherheit und authentischer Kommunikation – reduziere Konflikte, stärke Teamleistung und senke Burnout-Raten.

Abschließend präsentierte Pflegedirektion Marianne Siller die neue Relationship Based-Care-Strategie des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Diese setzt stark auf wohnortnahe Versorgung, Advanced Nursing Process, familienzentrierte Pflege, horizontale Karrierewege und gezielte Ergebnis-Messungen. Auch Potenziale von KI, Automatisierung und Robotik sollen geprüft werden. Siller betonte, dass der Ansatz bereits Wirkung zeige: mehr Mitarbeitendenbindung, weniger Krankenstände, weniger Versorgungsfehler und kürzere Aufenthaltsdauern. „Beziehungsqualität ist kein ‚Soft Skill‘ – sie entscheidet über Outcomes“, so Siller.

Die Tagung in Brixen sendete ein klares Signal: Menschenzentrierte Versorgung ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung für einen funktionierenden Gesundheitsdienst. Die vorgestellten Modelle setzen auf Nähe statt Distanz, auf Dialog statt Bürokratie – und auf Beziehungen als Fundament eines sicheren, modernen und zukunftsfähigen Gesundheitswesens.

pas

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